24-Stunden-Dienste im Krankenhaus: Warum Ärzte wie Dr. Schmitz an ihre Grenzen kommen
Sven Binner24-Stunden-Dienste im Krankenhaus: Warum Ärzte wie Dr. Schmitz an ihre Grenzen kommen
Dr. Jan Schmitz, ein Assistenzarzt in einer Großstadt Nordrhein-Westfalens, absolviert regelmäßig 24-Stunden-Dienste in einem privaten Krankenhaus. Diese extrem belastenden Arbeitszeiten, die nach dem deutschen Arbeitszeitgesetz zulässig sind, lassen ihm kaum Zeit zur Erholung und setzen ihn enormem Stress aus. Die langen Schichten hinterlassen bei medizinischem Personal im ganzen Land sichtbare Spuren – mit wachsenden Bedenken hinsichtlich der Patientensicherheit und der Gesundheit der Ärztinnen und Ärzte.
Das System der 24-Stunden-Dienste in Krankenhäusern entstand ursprünglich, um eine durchgehende medizinische Versorgung zu gewährleisten. Anfangs wurden Nachtschichten nicht einmal als reguläre Arbeitszeit angerechnet. Heute beginnt Schmitz mit einer normalen Tagesschicht, bevor er sich in einen kleinen Bereitschaftsraum zurückzieht, sobald die Nacht ruhiger wird. Doch Notfälle – etwa Kaiserschnitte oder komplizierte Geburten – holen ihn immer wieder zurück in den Einsatz, sodass an Schlaf oft nicht zu denken ist.
Während dieser Dienste ist Schmitz der einzige Arzt, der physisch in seiner Abteilung anwesend ist. Er betreut allein die Wochenbett- und Neugeborenenstationen. Bei mehreren Notfällen gleichzeitig muss er entscheiden, ob er den diensthabenden Oberarzt weckt, der mindestens 20 Minuten bis zur Ankunft braucht. Die Belastung ist enorm: Fast jeder vierte Krankenhausarzt gibt an, 60 Stunden oder mehr pro Woche zu arbeiten.
Forscher wie Frank Brenscheidt warnen, dass Schlafmangel ähnliche Auswirkungen hat wie Alkoholisierung. Viele Ärzte bestätigen, dass es während 24-Stunden-Diensten üblich ist, kaum oder gar nicht zu schlafen. Nach solchen Schichten ist eine elfstündige Ruhephase vorgeschrieben – doch die Beeinträchtigungen von Konzentration und Urteilsvermögen bleiben oft bestehen. Das Arbeitszeitgesetz erlaubt zwar diese langen Dienste, sofern sie Bereitschaftszeiten umfassen, in denen Erholung überwiegen sollte. In der Praxis jedoch lässt die Arbeitsbelastung kaum Pausen zu.
Die Situation verschärft sich durch den wachsenden Personalmangel. Mehr als ein Viertel der Krankenhausärzte hat bereits überlegt, den Beruf ganz aufzugeben – wegen der extremen Arbeitsbelastung. Arbeitgeber sind zwar gesetzlich verpflichtet, psychologische Risiken zu bewerten, doch der Druck auf die Teams bleibt ungebrochen.
Die Kombination aus langen Diensten, Schlafentzug und hohem Stress treibt viele Ärzte an ihre Grenzen. Fast 25 Prozent der Krankenhausmediziner berichten von extrem langen Wochenarbeitszeiten – mit steigendem Risiko für Fehler und Burnout. Zwar schreibt das Gesetz Ruhepausen und Risikobewertungen vor, doch für viele wie Schmitz bleibt der Alltag erschöpfend und auf Dauer untragbar.






