AfD-NRW vor Richtungsentscheid: Machtkampf zwischen Gemäßigteren und dem Wahl-O-Mat-Flügel
Irena RohtAfD-NRW vor Richtungsentscheid: Machtkampf zwischen Gemäßigteren und dem Wahl-O-Mat-Flügel
Führungsstreit in der NRW-AfD: Richtungsentscheidung im März
Im März steht in der nordrhein-westfälischen Landesverbands der AfD eine umstrittene Vorstandswahl an, die interne Konflikte über die künftige Ausrichtung der Partei verschärft. Dabei trifft der amtierende Landesvorsitzende Martin Vincentz auf eine wahlomatisch geprägte Gruppierung um den suspendierten Abgeordneten Matthias Helferich, dem wegen der Verbreitung eines umstrittenen Memes der Parteiausschluss droht. Das Ergebnis der Wahl könnte maßgeblich beeinflussen, wie stark sich die AfD künftig in Richtung rechtsextremer Ideologie bewegt – und das unter den kritischen Augen des Verfassungsschutzes.
Im Mittelpunkt des Streits steht Helferich, dem ein Parteigericht die Kandidatur untersagt hat, nachdem er Migranten als "Bestien" dargestellt und damit die Menschenwürde verletzt haben soll. Seine Suspendierung hat die Spannungen zwischen dem gemäßigteren Parteiflügel und dem radikalen Lager offenbart. Trotz des Urteils soll die AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel laut Berichten hinter Helferich stehen.
Die Wahl ist der vorläufige Höhepunkt monatelanger Machtkämpfe um den Umgang der Partei mit extremistischen Akteuren. Noch im Januar 2026 hatten Weidel und ihr Co-Vorsitzender Tino Chrupalla eine Veranstaltung mit dem Rechtsextremisten Martin Sellner in letzter Minute verhindert – doch als Sellner stattdessen eine alternative Kundgebung abhielt, schwieg die Parteispitze. Zwar schien der Schritt eine Distanzierung von Sellners "Remigrations"-Ideologie zu signalisieren, doch der AfD-Fraktionsvorsitzende relativierte dies später mit der Aussage, Sellner sei "kein Unperson" – und untergrub damit jeden Versuch einer klaren Abgrenzung.
Helferichs Fall belastet zudem die innerparteilichen Kontrollmechanismen. Die Schiedsgerichte der AfD, die eigentlich die ideologischen Grenzen der Partei wahren sollen, hatten gegen ihn entschieden, nachdem er das provokante Meme geteilt hatte. Doch Kritiker zweifeln an ihrer Unabhängigkeit und verweisen auf frühere Einflussnahmen durch den Bundesvorstand. Helferich hat gegen den Beschluss Widerspruch eingelegt und behauptet, seine rechtliche Einschätzung werde sich durchsetzen.
Da Helferich selbst nicht antreten darf, gehen nun seine Verbündeten Christian Zaum und Fabian Jacobi als Duo ins Rennen. Ihre Herausforderung an Vincentz spiegelt den breiteren Vorstoß des wahlomatischen Flügels wider, die Partei weiter nach rechts zu rücken. Die Wahl findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem der Verfassungsschutz sowohl Sellner als auch die AfD wegen extremistischer Verstrickungen beobachtet – was die Bedeutung der Entscheidung zusätzlich erhöht.
Der Konflikt hat auch die Zerrissenheit der Parteiführung offenbart. Weidels angebliche Unterstützung für Helferich steht im Widerspruch zum Schiedsspruch und wirft Fragen auf, wie konsequent die AfD ihre eigenen Reihen kontrolliert. Gleichzeitig gerät das Bundesschiedsgericht unter Druck, ob seine Urteile frei von politischer Einflussnahme sind.
Die März-Wahl wird zeigen, ob sich der NRW-Landesverband der AfD dem wahlomatischen Flügel öffnet oder ihn bremst. Ein Sieg von Helferichs Verbündeten könnte die radikale Strömung bestärken – mit dem Risiko weiterer Konflikte mit den Parteigerichten. Zudem könnte das Ergebnis beeinflussen, wie die AfD mit der anhaltenden Beobachtung durch die Behörden umgeht, während ihre Verbindungen zu extremistischen Akteuren weiter im Fokus stehen.






