Deutschlands Theater feiern epische Comebacks mit stundenlangen Marathons
Wenke KranzDeutschlands Theater feiern epische Comebacks mit stundenlangen Marathons
Marathon-Aufführungen: Deutschlands Theater kehrt zu epischen Formaten zurück
Deutsche Theater sind keine Unbekannten, wenn es um marathonslange Aufführungen geht – manche Stücke dauern stundenlang. Das diesjährige Berliner Theatertreffen (1. bis 17. Mai) rückt diese Tradition wieder in den Fokus: Die Tickets für Wallenstein waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Zwar hatten sich in den vergangenen Jahren, besonders während und nach der Pandemie, kürzere, pausenlose Stücke durchgesetzt – doch die Vorliebe für ausufernde Inszenierungen bleibt ungebrochen.
Eines der Highlights des Festivals ist die Produktion Wallenstein: Ein Schlachtenfest in sieben Gängen der Münchner Kammerspiele. Die Aufführung dauert sieben Stunden – inklusive drei Pausen mit Bewirtung. Das Publikum stürmte die Kassen, sodass die Vorstellung zu den begehrtesten des Festivals zählt.
Langzeit-Theater hat in Deutschland eine lange Tradition. 2023 brachte etwa das Schauspielhaus BochumDie Brüder Karamasow in einer siebenstündigen Fassung auf die Bühne. Noch extremer war Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiele 1999, das ganze zwölf Stunden dauerte. Auch die Berliner Volksbühne holt nun Peer Gynt zurück – dessen erster Teil in früheren Inszenierungen allein acht Stunden umfasste.
Die Pandemie hatte diesen Trend vorübergehend unterbrochen: Viele Theater verkürzten ihre Stücke, indem sie Pausen strichen. Doch die Rückkehr epischer Produktionen wie Wallenstein zeigt, dass das Publikum wieder nach immersiven, ausgedehnten Erlebnissen verlangt. Der Deutsche Bühnenverein erfasst zwar keine offiziellen Statistiken zu Spieldauern, doch der Erfolg dieser Mammut-Aufführungen belegt, dass sie fest zur deutschen Theaterkultur gehören.
Dass Wallenstein innerhalb kürzester Zeit ausverkauft war, bestätigt: Das Publikum steht nach wie vor auf anspruchsvolle, langatmige Inszenierungen. Mit Stücken wie Peer Gynt oder Die Brüder Karamasow, die weiterhin für Aufmerksamkeit sorgen, scheint die Tradition der Theater-Marathons ungebrochen. Die Bühnen kehren zurück zu epischem Erzähltheater – auch wenn nach der Pandemie zeitweise kürzere Formate dominierten.






