Digitale Souveränität: Unternehmen erkennen Wert an – doch Strategien fehlen
Nikolaus SchleichDigitale Souveränität: Unternehmen erkennen Wert an – doch Strategien fehlen
Eine neue Studie offenbart eine deutliche Kluft zwischen der Bedeutung, die Unternehmen der digitalen Souveränität beimessen, und ihrer tatsächlichen Vorbereitung. Zwar erkennen 92 Prozent der Firmen deren Wert an, doch nur ein kleiner Teil verfügt über konkrete Strategien. Die Erkenntnisse stammen aus dem Digital-Souveränitäts-Index (DSI), einer gemeinsamen Untersuchung von Adesso und dem Handelsblatt Research Institute.
Der DSI bewertet digitale Souveränität in sechs zentralen Bereichen: Hardware, Software, Cybersicherheit, künstliche Intelligenz, Cloud-Computing und Datenmanagement. Deutsche Unternehmen erreichen im Schnitt 65,8 Prozent – deutlich unter den 77,8 Prozent, die sie als Idealwert ansehen. Trotz dieser Lücke setzen 60 Prozent der Betriebe weiterhin auf ausländische Lösungen für kritische Technologien, insbesondere von nicht-europäischen Anbietern in den Bereichen Cloud, Software und KI.
Die Studie zeigt zudem Investitionsbereitschaft: Rund 80 Prozent der Unternehmen wären bereit, für souveräne Alternativen einen Aufpreis zu zahlen – im Schnitt 17 Prozent mehr. Dennoch bleibt die Verantwortungszuweisung gering: Nur 25 Prozent der Firmen übertragen die Zuständigkeit für digitale Souveränität an ihren Vorstand, und lediglich 13 Prozent verankern das Thema in der Unternehmensstrategie.
Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender von Adesso, warnte, dass viele Unternehmen die langfristigen Risiken unterschätzen. Er betonte, digitale Souveränität sei kein rein technisches, sondern eine strategische Frage – und damit entscheidend für die zukünftige Widerstandsfähigkeit.
Die Untersuchung macht eine klare Diskrepanz zwischen Bewusstsein und Handlung deutlich: Fast alle Unternehmen erkennen zwar die Bedeutung digitaler Souveränität an, doch weniger als jedes fünfte verfügt über einen dedizierten Plan. Angesichts der weiterhin hohen Abhängigkeit von ausländischer Technologie unterstreichen die Ergebnisse den dringenden Bedarf an stärkeren internen Strategien und einer klaren Governance.






