14 April 2026, 00:42

Doppelschlag für den Buchhandel: Zwei Großhändler in der Insolvenz

Altes Buch mit dem Titel "Deutschland-Bildheft - Ostpreußens Ermland" aus dem Jahr 1927, das ein Zimmer mit Stühlen, einem Tisch, Gegenständen, Fotorahmen an der Wand und einer Leiter zeigt.

Doppelschlag für den Buchhandel: Zwei Großhändler in der Insolvenz

Zwei große Akteure des deutschen Buchhandels innerhalb weniger Wochen kollabiert

Innerhalb weniger Wochen sind zwei bedeutende Unternehmen der deutschen Buchbranche in die Insolvenz gerutscht. Die traditionsreiche A. Stein'sche Buchhandlung in Werl meldete am 17. September 2022 Insolvenz an. Kurz darauf folgte Anfang Oktober die Mediengruppe Stein, der zweitgrößte Fachmedien-Großhändler des Landes – eine Entwicklung, die die Branche in Aufruhr versetzt hat.

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Den Anfang machte der finanzielle Niedergang der A. Stein'schen Buchhandlung, eines wichtigen Einzelhändlers. Der Schlag traf noch tiefer, als auch die Muttergesellschaft Mediengruppe Stein Insolvenzverfahren einleitete. Gleichzeitig beantragten 18 Tochterunternehmen des Konzerns – darunter Solon, Delbanco, Massmann und Albert Müller – Gläubigerschutz, wodurch ein Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro in Gefahr geriet.

Branchenkenner hatten die aggressive Expansionsstrategie des Unternehmens bereits seit Jahren intern kritisiert. Jörg Pieper, heute Leiter Content-Akquise bei Get More Brain, arbeitete zuvor bei Schweitzer Fachinformationen, dem größten Konkurrenten von Stein. Er bezeichnete die Kaufrausch-Phase des Unternehmens als leichtsinnig und verwies darauf, dass selbst Schweitzer mit Übernahmen haderte – wegen hoher Kosten und komplexer Integration. Doch öffentliche Kritik an Steins rasantem Wachstum blieb weitgehend aus.

Die Insolvenzen haben weitreichende Verunsicherung ausgelöst. Bundesministerien, Bibliotheken und Verlage sehen sich nun mit unterbrochenen Lieferketten und finanzieller Instabilität konfrontiert. Viele suchen verzweifelt nach alternativen Lieferanten, während sich der Markt an die plötzliche Lücke anpasst, die Steins Zusammenbruch hinterlassen hat.

Der Kollaps der Mediengruppe Stein und ihrer Tochterfirmen reißt ein Loch von 100 Millionen Euro in die Branche. Bibliotheken, Behörden und Verlage müssen sich nun in einem zersplitterten Markt behaupten. Gleichzeitig beobachten Branchenbeobachter genau, wie Konkurrenten und kleinere Händler auf die plötzliche Nachfrageverschiebung reagieren.

Quelle