Gericht stoppt Vuelings Handgepäckgebühren – Präzedenzfall für Billigflieger
Wenke KranzGericht stoppt Vuelings Handgepäckgebühren – Präzedenzfall für Billigflieger
Ein deutsches Gericht hat die Gebühren von Vueling für Handgepäck als ungerecht gegenüber Passagieren verurteilt. Die Entscheidung fällt zu einem Zeitpunkt, an dem die EU neue Verhandlungen über eine Reform der Fluggastrechte aufnimmt. Verbraucherschützer argumentieren seit Langem, dass zusätzliche Kosten für Kabinengepäck gegen bestehende Vorschriften verstoßen.
Das Oberlandesgericht Hamm gab dem Verband der Verbraucherzentralen (vzbv) recht, der die Airline wegen ihrer Praxis verklagt hatte. Vueling hatte das kostenlose Handgepäck auf ein kleines Stück beschränkt und für größere Gepäckstücke Gebühren erhoben.
Das Gericht bestätigte, dass Handgepäck ein grundlegender Bestandteil des Flugverkehrs sei. Airlines dürfen keine Zusatzgebühren verlangen, wenn die Gepäckstücke angemessene Größen- und Gewichtsgrenzen einhalten. Dies steht im Einklang mit früherer Kritik der Europäischen Kommission, die solche Gebühren bereits 2018 als potenziell unzulässig nach EU-Verbraucherrecht einstuft.
Ramona Popp, Chefin des vzbv, begrüßte das Urteil, forderte jedoch klarere EU-weite Regelungen. Sie argumentierte, dass Flugtickets ein kleines persönliches Gepäckstück sowie einen Standard-Kabinenkoffer – mit mindestens 115 Zentimetern Gesamtmaß und bis zu zehn Kilogramm Gewicht – beinhalten sollten. Die aktuellen Richtlinien seien zu vage und führten zu Klagen.
Der Fall spiegelt anhaltende Rechtsstreitigkeiten wider. Ähnliche Klagen gegen EasyJet, Eurowings und Wizz Air wegen deren Handgepäckrichtlinien sind noch nicht entschieden. Gleichzeitig setzt sich das Europäische Parlament seit 2017 für strengere Kontrollen ein, während der Rat eine bessere Durchsetzung befürwortet, ohne bestimmte Gebühren gezielt anzugreifen.
Heute begannen EU-Unterhändler in Brüssel mit Gesprächen über eine Aktualisierung der Fluggastrechte. Die Verhandlungen fallen mit dem Gerichtsurteil zusammen und erhöhen den Druck auf eine Reform. Airlines stehen zunehmend in der Kritik, weil Zusatzkosten, so die Vorwürfe, Passagiere ausnutzen.
Das Urteil zwingt Vueling, seine aktuellen Handgepäckgebühren abzuschaffen. Zudem schafft es einen Präzedenzfall für andere anhängige Verfahren gegen Billigfluggesellschaften. Angesichts der laufenden EU-Reformgespräche könnten Airlines bald strengeren Vorschriften unterliegen, was sie für Kabinengepäck berechnen dürfen.






