Haus der Kulturen der Welt kämpft um Überleben nach politischen Kontroversen
Wenke KranzHaus der Kulturen der Welt kämpft um Überleben nach politischen Kontroversen
Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin steht nach einer Reihe von Kontroversen vor einer ungewissen Zukunft. Die direkt neben dem Bundeskanzleramt gelegene Institution kämpft seit Langem um Anerkennung in der Bundespolitik. Aktuelle Auseinandersetzungen über das künstlerische Programm und politischen Druck haben sie nun unfreiwillig in den Fokus gerückt – und zwar auf eine Weise, die sich ihre Führungskräfte kaum gewünscht haben dürften.
Im Zentrum des Streits steht Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, ein aus Kamerun stammender Biologe, der sich zum einflussreichen Kulturmanager entwickelte. Seit seiner Berufung zum Intendanten des HKW im Jahr 2023 schrieb er Geschichte: Unter seiner Leitung wurde die Einrichtung zur ersten großen deutschen Kulturinstitution, die vollständig von People of Color geführt wird. Doch sein "postkolonialer" Ansatz stößt in der deutschen Kulturszene auf scharfe Kritik und vertieft die Gräben.
Der jüngste Eklat begann, als der schwäbische Rapper Chefket – vom Goethe-Institut einst zum "Rap-Botschafter" ernannt – seinen Auftritt im HKW absagen musste. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer griff ein, nachdem Chefket bei einem Auftritt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina" trug, das arabische Kalligrafie und eine Umrisskarte Israels zeigte – ausgerechnet am Jahrestag eines Hamas-Angriffs. Die Entscheidung löste Empörung aus: Aus Solidarität sagten daraufhin alle anderen deutschen Künstler ihre Auftritte im HKW ab.
Es war nicht das erste Mal, dass das HKW in die Schlagzeilen geriet. Bereits Anfang 2026 gerieten die Verbindungen des Goethe-Instituts zu Chefket zum Politikum, was eine Überprüfung der Fördergelder nach sich zog. Die Folgen trafen auch das HKW, das seither um sein Überleben kämpft – inmitten einer zunehmend kritischen Debatte über Kulturinstitutionen und ihre politischen Positionierungen.
Versuche, den Ruf des HKW zu rehabilitieren, schlugen fehl. Der Satiriker Jan Böhmermann kuratierte eine Ausstellung mit dem Titel "Die Möglichkeit des Unvernünftigen", die eigentlich Aufmerksamkeit auf die Institution lenken sollte. Stattdessen beschädigte sie deren internationales Ansehen weiter. Trotz Auftritten gefeierter internationaler Künstler wie des haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil kommt das Haus nicht von seinem belasteten Image los.
Auch Ndikungs Führung steht unter Druck. Sein Programm, das postkoloniale Themen in den Mittelpunkt stellt, kollidiert mit den Erwartungen des deutschen Kulturmainstreams. Gleichzeitig bringt die räumliche Nähe zur Macht wenig Schutz: Die Bundespolitik zeigt sich weitgehend gleichgültig gegenüber der prekären Lage des HKW.
Die Absage von Chefkets Konzert und die darauffolgende Welle der Empörung haben das HKW isoliert. Ohne Bereitschaft großer Künstler, dort aufzutreten, ist seine Rolle als kultureller Leuchtturm in Gefahr. Ob die Institution die politischen Widerstände überstehen und gleichzeitig das Vertrauen zurückgewinnen kann – in der deutschen Kunstszene wie darüber hinaus –, wird nun über ihr weiteres Schicksal entscheiden.






