Joe Lycett wird offiziell zu Hugo Boss – ein Protest mit Geschichte
Der Komiker Joe Lycett hat seinen Namen offiziell in Hugo Boss ändern lassen – als Protest gegen die aggressive juristische Vorgehensweise der Modemarke. Der Schritt folgt auf eine Reihe von Abmahnungen, die das Luxusunternehmen an kleine Betriebe und gemeinnützige Organisationen verschickt hatte, nur weil diese das Wort Boss nutzten. Lycetts Namensänderung rückt zudem die umstrittene Vergangenheit der Marke während der NS-Zeit ins Licht der Öffentlichkeit.
Hugo Boss, 1924 gegründet, hat ein globales Imperium mit über 14.000 Mitarbeitern in 127 Ländern aufgebaut. Doch die Geschichte des Unternehmens ist belastet: Der Firmengründer Hugo Ferdinand Boss war überzeugtes NSDAP-Mitglied und Unterstützer Adolf Hitlers. Während des Zweiten Weltkriegs fertigte das Unternehmen SS-Uniformen – hergestellt von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern.
2011 entschuldigte sich das Unternehmen öffentlich für das "Leid und die Entbehrungen", die durch seine Kriegsproduktion verursacht worden waren. Dennoch sorgten jüngste Rechtsstreitigkeiten für neue Kritik. Die kleine Brauerei Boss Brewing aus Swansea sah sich mit Anwaltskosten in Höhe von umgerechnet etwa 11.500 Euro konfrontiert, nachdem sie eine Abmahnung von Hugo Boss erhalten hatte. Auch die gemeinnützige Initiative DarkGirlBoss geriet ins Visier, als sie versuchte, ihren Namen als Marke eintragen zu lassen.
Nun hat Lycett mit einer mutigen Aktion Flagge gezeigt: Durch die offizielle Annahme des Namens Hugo Boss lenkt er die Aufmerksamkeit auf die Geschichte der Marke und ihre aktuellen Praktiken. Betont hat er dabei, dass er – anders als sein Namensvetter – keine NS-Uniformen produziert habe. Als Teil seines Protests plant er, in seiner Show Got Your Back ein neues Produkt unter dem Namen auf den Markt zu bringen.
Die Namensänderung bringt die Vergangenheit von Hugo Boss und die heutigen juristischen Methoden des Konzerns erneut in die Schlagzeilen. Kleine Unternehmen und gemeinnützige Organisationen sehen sich weiterhin mit den Konsequenzen der markenrechtlichen Durchsetzung durch den Konzern konfrontiert. Lycetts Protest sorgt dafür, dass die Debatte über unternehmerische Verantwortung – und die Macht eines Namens – präsenter denn je bleibt.






