29 June 2026, 20:40

Klassikwelt im Umbruch: Absagen, Machtwechsel und Streit um Spielstätten

Zu viel Hysterie!

Klassikwelt im Umbruch: Absagen, Machtwechsel und Streit um Spielstätten

Die Klassikwelt erlebt eine turbulente Woche: Absagen, Führungswechsel und Streit um Spielstätten

In der klassischen Musikszene hat sich in dieser Woche viel getan. Absagen, Personalwechsel und Debatten um Veranstaltungsorte prägen die Diskussionen in Deutschland und darüber hinaus. Künstler, Intendanten und Institutionen stehen vor einer Phase tiefgreifender Umbrüche.

Der Bariton Matthias Goerne hat seine geplanten Auftritte in Israel abgesagt, darunter eine Produktion von Herzog Blaubarts Burg. Als Grund gab er an, nicht in das Land reisen zu können.

In München erfährt Tobias KratzersRing-Zyklus weiterhin große Anerkennung. Kritiker Philipp von Studnitz hob besonders Die Walküre wegen ihrer klugen Inszenierung hervor und verwies auf versteckte „Easter Eggs“, die das Publikum begeisterten.

In Berlin sorgt die geplante Sanierung der Philharmonie bis 2032 für Kontroversen. Die Stadt favorisiert das ICC als interimistische Spielstätte für das Orchester, doch Philharmonie-Direktorin Andrea Zietzschmann zeigt sich skeptisch. Eine aktuelle Umfrage auf BackstageClassical ergab, dass 66 Prozent der Befragten den Tempelhofer Flughafen bevorzugen, während nur fünf Prozent für das ICC stimmen und 29 Prozent ganz andere Standorte fordern. Kolleg:innen von VAN Magazine haben Tempelhof ebenfalls ins Spiel gebracht – allerdings belaufen sich die geschätzten Kosten auf über eine Milliarde Euro. Zudem bestätigte Zietzschmann, ihren Vertrag nicht verlängern zu wollen, was Spekulationen über ihre Zukunft anheizt.

Auch an anderen Orten gibt es Wechsel in der Führungsetage. Karin Bergmann, die Nachfolgerin von Markus Hinterhäuser, bot an, für dessen geplante Konzerte einzuspringen, erhielt jedoch noch keine Antwort. Beim Beethovenfest Bonn sorgte Intendant Steven Walter mit der Erklärung für Schlagzeilen, die Veranstaltung zur „No-Dick-Pic-Zone“ zu erklären und bekannte Störer zu verbannen. In Leipzig sieht sich Dirigent John Eliot Gardiner mit Vorwürfen wegen unangemessenen Verhaltens konfrontiert, was branchenweit für Diskussionen sorgt. Oliver Wille, Leiter der Hitzacker Sommer-Musiktage, nutzte den BackstageClassical-Podcast, um zu einem ehrlicheren und treueren Umgang mit Musik aufzurufen.

Finanzielle und strukturelle Herausforderungen bleiben bestehen. Die Sanierungskosten des Salzburger Festspielhauses sind auf 635 Millionen Euro explodiert – 116 Millionen mehr als ursprünglich veranschlagt. In Hamburg unterstützte Kultursenator Carsten Brosda öffentlich die Positionen von Michel Friedman zur deutschen kulturellen Identität. Unterdessen stößt die Entscheidung des MDR, sein Klassikradio auf DAB+ durch BR-Klassik zu ersetzen, auf Kritik. Musikdirektorin Annette Josef verteidigte den Schritt als Teil einer Strategie, die ARD-Zusammenarbeit auszubauen.

Die kommenden Monate werden weitere Weichenstellungen bringen: Die Wahl des Berliner Philharmonie-Interimsstandorts wird die Zukunft des Orchesters prägen. Vertragsverlängerungen, Festivalbudgets und Radioreformen werden nachhaltig das kulturelle Gefüge Deutschlands beeinflussen.

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