Milo Rau inszeniert symbolischen Prozess gegen die AfD in Hamburg
Nikolaus SchleichRegisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert symbolischen Prozess gegen die AfD in Hamburg
Die diesjährigen Hamburger Lessing-Tage enden mit einer kühnen und umstrittenen Veranstaltung: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert am Thalia Theater ein dreitägiges Gerichtsverfahren gegen Deutschland. In dem symbolischen Prozess wird erörtert, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte.
Das 2010 vom ehemaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux gegründete Festival verbindet seit Langem Theater mit politischer Debatte. Die diesjährige Ausgabe, kuratiert von Matthias Lilienthal – der bald die Berliner Volksbühne leiten wird –, setzt noch deutlicher auf Provokation. Statt Schauspieler:innen übernehmen reale Jurist:innen und Rechtswissenschaftler:innen die Verhandlungsführung. Die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin übernimmt den Vorsitz als Richterin.
Rau ist es gewohnt, antike Dramen mit modernen Konflikten zu verknüpfen. Zu seinen früheren Werken zählen Orestes in Mossul, das griechische Tragödie mit dem vom Krieg zerrissenen Mossul verband, sowie Das neue Evangelium, eine Neuinterpretation der Passion Jesu unter ausgebeuteten afrikanischen Geflüchteten in Italien. Auch das Gerichtsverfahren gegen Deutschland folgt diesem Ansatz: Theatralische Form dient dazu, drängende politische Fragen zu stellen.
Die Veranstaltung wird als Live-Stream auf der Website des Thalia Theaters übertragen, sodass das Publikum die Verhandlungen in Echtzeit verfolgen kann. Im Mittelpunkt stehen die AfD und ihre rechtliche sowie ethische Bewertung – mit Argumenten für und gegen ein mögliches Verbot.
Das Gerichtsverfahren gegen Deutschland ist ein weiteres Beispiel für Raus provokantes Theater. Indem er Schauspieler:innen durch Jurist:innen ersetzt und die Veranstaltung live überträgt, verwischt die Produktion die Grenzen zwischen Kunst und Aktivismus. Das Ergebnis wird zwar keine rechtliche Bindung haben, soll aber eine öffentliche Debatte über Demokratie und Extremismus anstoßen.
Jury teilt sich über AfD-Verfassungsstatus in symbolischem Prozess
Der symbolische Prozess gegen Deutschland endete mit einer geteilten Jury-Entscheidung. Das Gremium entschied:
- Die AfD wurde in wesentlichen Aspekten für verfassungswidrig befunden.
- Eine Verbotsverfahren sollte geprüft werden (4 Ja zu 3 Nein).
- Die Partei sollte von staatlicher Förderung ausgeschlossen werden.