Nora Burgard-Arps dystopischer Roman entfacht Debatte über reproduktive Rechte
Irena RohtNora Burgard-Arps dystopischer Roman entfacht Debatte über reproduktive Rechte
Nora Burgard-Arp stellte am 26. September 2025 im Filmforum der VHS Bottrop ihren Debütroman „Wir nicht“ vor. Die Veranstaltung bildete den Auftakt zum „Safe Abortion Day“, einer jährlichen Kampagne für reproduktive Rechte, die seit 1990 stattfindet. Ihr dystopischer Roman entwirft eine Welt, in der die Selbstbestimmung von Frauen über ihren eigenen Körper drastisch eingeschränkt ist – und wirft damit drängende Fragen zu aktuellen Gesetzen und zukünftigen Gefahren auf.
Im Mittelpunkt der Handlung steht Mathilda, eine Frau, die sich zunächst still in ein unterdrückerisches Regime fügt, bis eine ungewollte Schwangerschaft sie zum Handeln zwingt. Sie fälscht ihre Zyklusaufzeichnungen, verbirgt ihren Zustand vor ihrem Mann und geht schließlich zu extremen Mitteln über, um ihre Autonomie zurückzuerobern. Für die authentische Darstellung der bedrückenden Atmosphäre recherchierte Burgard-Arp unter anderem die Sprache rechtsextremer Telegram-Gruppen.
Die Lesung in Bottrop war mit vollbesetztem Haus ein großer Erfolg: Nach der ausverkauften Veranstaltung standen Besucherinnen und Besucher Schlange, um signierte Exemplare zu erwerben – bereitgestellt von der örtlichen Humboldt-Buchhandlung. Im Anschluss verlagerte sich die Diskussion auf reale Parallelen, wobei die Teilnehmenden darüber debattierten, wie solche dystopischen Szenarien durch politisches Engagement verhindert werden können. Burgard-Arp bietet zudem kostenlose Lesungen an Schulen an, wenn sie von Lehrkräften eingeladen wird, und bringt die Thematik so auch jüngeren Zielgruppen näher.
Dass Abtreibungen in Deutschland seit 1871 im Strafgesetzbuch verankert sind, betonte das Bottroper Gleichstellungsbüro, das sich weiterhin für eine Reform einsetzt. Die zeitliche Nähe der Veranstaltung zum „Safe Abortion Day“ unterstrich die Forderung nach sicheren, legalen Abbrüchen als grundlegendem Recht im Gesundheitswesen.
Burgard-Arps Roman hat eine Debatte über reproduktive Rechte angestoßen – sowohl in der Fiktion als auch in der Realität. Die Bottroper Veranstaltung zeigte, wie Literatur bestehende Gesetze infrage stellen und zu kollektivem Handeln anregen kann. Angesichts der Tatsache, dass Deutschlands Abtreibungsregelungen noch immer auf Gesetzgebung aus dem 19. Jahrhundert beruhen, bleibt der Ruf nach Veränderung dringlicher denn je.






