Presseverteilung in Deutschland steht vor radikaler Umstrukturierung bis 2027
Nikolaus SchleichPresseverteilung in Deutschland steht vor radikaler Umstrukturierung bis 2027
In Deutschland zeichnet sich ein tiefgreifender Wandel in der Presseverteilung ab. Das FFF-Bündnis, dem Verlage wie Axel Springer und die Bauer Media Group angehören, plant bis Ende 2026 die Schaffung eines zentralen Großhändlers. Das neue System soll 2027 an den Start gehen und die bisherigen 13 regionalen Großhändler durch eine zentrale Instanz und vier ausgewählte Partner ersetzen.
Im Februar 2023 kündigten die Verlage des FFF-Bündnisses die Verträge mit jenen Großhändlern, die nicht als „Systempartner“ vorgesehen waren. Dieser Schritt löste rechtliche Auseinandersetzungen aus, unter anderem von Seiten der Großhändler Jost, Mietke, PGSW und Grossounion Nord. Das Landgericht Dortmund wies später Eilanträge der Unternehmen PDG und Lütkemeyer ab, mit denen diese die Vertragsbeendigungen verhindern wollten.
Der Bundesverband Presse-Grosso verurteilte das Vorgehen der Verlage als gezielten Versuch, einen unabhängigen Wirtschaftsbereich zu zerschlagen. Der Verband strebt an, die Umstrukturierung bis Sommer 2023 gerichtlich zu stoppen. PDG und Lütkemeyer argumentieren unterdessen, dass das FFF-Modell die diskriminierungsfreie Presseverteilung gefährde und die Medienvielfalt bedrohe.
Das Bundeskartellamt hatte zunächst entschieden, nicht einzugreifen, nachdem die Verlage ihre Pläne angepasst hatten. Als künftige Systempartner des neuen Systems wurden 4Press, Qtrado, PVG und Trunk bestimmt.
Die Neuordnung des FFF-Bündnisses wird die Presseverteilung unter dem Dach der Presse-Grosso-Allianz zentralisieren. Während die Branche sich auf die geplanten Veränderungen einstellt, dauern juristische Auseinandersetzungen und behördliche Prüfungen an. Die Umstellung bleibt für eine Umsetzung bis 2027 auf Kurs.
