Wie der Ford-Streik 1973 in Köln die Arbeiterbewegung revolutionierte
Nikolaus SchleichWie der Ford-Streik 1973 in Köln die Arbeiterbewegung revolutionierte
Ein neues Buch untersucht den Ford-Streik von 1973 in Köln – einen Wendepunkt der deutschen Arbeitsgeschichte
Der Arbeitskampf, angeführt von migrantischen Arbeiter:innen, markierte den Beginn der Selbstermächtigung für viele Beschäftigte. Die Herausgeber Nihat Öztürk, Nuria Cafaro, Bernd Hüttner und Florian Weis haben nun Aufsätze zusammengetragen, die die Auswirkungen und das Erbe dieser Auseinandersetzung beleuchten.
Am 30. August 1973 griffen Polizei und Werksschutz ein, um einen Streik im Kölner Ford-Werk niederzuschlagen. Die Streikenden – überwiegend migrantische Arbeiter:innen – protestierten gegen prekäre Arbeitsbedingungen und Schikanen durch Vorgesetzte. Ihre Forderungen umfassten nicht nur einen Lohnzuschlag von einer D-Mark pro Stunde, sondern sie berichteten auch von körperlichen Übergriffen durch deutsche Kolleg:innen und Sicherheitskräfte.
Das Buch geht der Bedeutung des Streiks nach und zeigt auf, wie er zu einem Meilenstein für die Rechte von migrantischen Beschäftigten wurde. Autor:innen wie Witich Rossmann und Nihat Öztürk analysieren die Rollen des Betriebsrats und der IG Metall während des Konflikts. Zudem werden Parallelen zu heutigen Kämpfen gezogen – etwa denen von Fahrradkurier:innen oder den erfolgreichen Streiks migrantischer Frauen im selben Jahr.
Mittlerweile gilt der Ford-Streik als Grundstein für die Selbstermächtigung von Migrant:innen in der Arbeitswelt. Seine Wiederentdeckung in antirassistischen Debatten unterstreicht seinen anhaltenden Einfluss auf die Arbeiterbewegung. Das Buch sorgt dafür, dass diese Geschichten und Diskussionen auch heute noch präsent bleiben.
