17 March 2026, 00:41

Deutsche Brauereien kämpfen ums Überleben – und setzen auf alkoholfreies Bier

Ein Plakat, das Bier in Amsterdam bewirbt, zeigt eine Gruppe von Menschen, einige halten Gläser und andere Gegenstände, sowie Text und ein Logo.

Deutsche Brauereien kämpfen ums Überleben – und setzen auf alkoholfreies Bier

Deutsche Brauereien stehen vor ihrer größten Herausforderung seit Jahrzehnten: Der Bierabsatz bricht ein. 2025 ging der Konsum um sechs Prozent zurück – der stärkste Rückgang seit der Wiedervereinigung. Da traditionelles Bier an Boden verliert, setzen Produzenten in Bielefeld und Lübbecke nun auf alkoholfreie Alternativen, um zu überleben.

Einer der Anpassungswilligen ist die Bielefelder Braumanufaktur. Gründer Mike Cacic hat das Unternehmen neu ausgerichtet und das Sortiment um Erfrischungsgetränke und alkoholfreies Bier erweitert, um die sinkende Nachfrage nach klassischen Bieren auszugleichen.

Hintergrund des Wandels ist der Boom alkoholfreien Bieres. Seit 2020 ist dessen Marktanteil in Deutschland von etwa 1,5 auf über 5 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. Der Absatz hat sich bundesweit in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt – von 300 Millionen Litern im Jahr 2020 auf 750 Millionen im Jahr 2024, wie der DACH-Bierverband mitteilt. Vorreiter sind Großstädte wie Berlin und München, wo der Anteil bis zu 8 Prozent erreicht, während ländliche Regionen Ostdeutschlands mit 3 bis 4 Prozent hinterherhinken.

Gesundheitsbewusste Lebensstile, jüngere Konsumenten und veränderte Gewohnheiten nach der Pandemie treiben die Entwicklung voran. Die Brauereien reagieren mit einer verstärkten Produktion alkoholfreier Biere. Auch die traditionsreiche Barre Brauerei in Lübbecke hat ihr Sortiment in diesem Bereich ausgebaut. Geschäftsführer Christoph Barre warnt, dass viele Brauereien ohne Anpassung in die Insolvenz rutschen könnten.

Um der Krise zu begegnen, setzt die Barre Brauerei auf ihre regionale Verwurzelung. Das Unternehmen präsentiert sich vermehrt auf Messen und verkauft Merchandise-Artikel, um die lokale Verbundenheit zu stärken. Barres Ziel ist es, die Brauerei unabhängig zu halten und die Bierkultur in Ostwestfalen-Lippe trotz des Branchenumbruchs zu bewahren.

Der Rückgang beim klassischen Bier zeigt keine Anzeichen einer Besserung. Wer sich nicht anpasst, riskiert die Schließung – während Brauereien, die in alkoholfreie Alternativen investieren, neue Chancen entdecken. Die Zukunft der deutschen Braubranche hängt davon ab, wie schnell die Produzenten sich auf die veränderten Verbraucherwünsche einstellen können.

AKTUALISIERUNG

Neue Daten enthüllen Rekordtief bei Bierverkäufen und langfristigen Rückgang auf dem deutschen Biermarkt

Die Bierverkaufskrise des Jahres 2025 ist nun mit genauen Zahlen quantifiziert. Das Gesamtvolumen fiel auf 7,8 Milliarden Liter – ein 6,0%iger Rückgang (497,1 Millionen Liter) und der niedrigste Stand seit 1993. Die wichtigsten Aufschlüsselungen zeigen:

  • Inlandsverkäufe sanken um 5,8% auf 6,4 Milliarden Liter (82,5% des Gesamtvolumens)
  • Exporte und Haustrunk fielen um 7,0% auf 1,4 Milliarden Liter
  • Der seit 2015 andauernde Rückgang beläuft sich insgesamt auf 18,9% (1,8 Milliarden Liter verloren). Beachtenswert ist, dass alkoholfreie Biere in diesen Zahlen nicht enthalten sind, was das ungenutzte Potenzial in diesem wachsenden Segment betont.