Ex-Airbus-Chef Enders zerpflückt Deutschlands Pläne für ein neues Kampfflugzeug – und warnt vor Milliardenrisiko
Nikolaus SchleichEx-Airbus-Chef Enders zerpflückt Deutschlands Pläne für ein neues Kampfflugzeug – und warnt vor Milliardenrisiko
Deutschlands Pläne für ein Kampfflugzeug der nächsten Generation stoßen auf scharfe Kritik des früheren Airbus-Chefs Thomas Enders. In einem aktuellen Gastbeitrag bezeichnete er ein mögliches deutsches Solo-Projekt als "kolossale Fehlallokation von Ressourcen" und warnte vor explodierenden Kosten. Seine Äußerungen fallen in eine Phase, in der die Bundesregierung zwischen dem deutsch-französischen FCAS-Programm und der britischen Initiative GCAP abwägt.
Gleichzeitig wies Berlin Spekulationen über einen Beitritt zu GCAP zurück, führt aber weiterhin Gespräche mit Frankreich über FCAS. Eine Entscheidung wird in den kommenden Wochen erwartet, wobei aus Regierungskreisen von einem möglichen Kompromiss die Rede ist: die getrennte Entwicklung bemannter Kampfflugzeuge bei gleichzeitiger Zusammenarbeit bei Drohnen und Cloud-Technologien.
Im Mittelpunkt der Debatte steht Deutschlands Entscheidung von 2017, sich im FCAS-Projekt mit Frankreich zu verbünden statt mit Großbritannien. Enders nannte dies einen "strategischen Fehler" und argumentierte, bemannte Kampfflugzeuge würden bald überholt sein. Stattdessen sieht er die Zukunft in massenhaft produzierten, KI-gesteuerten Drohnen – günstiger und flexibler als herkömmliche Kampfflugzeuge.
Zwar räumte Enders ein, dass Deutschland technisch in der Lage sei, ein eigenes Flugzeug zu bauen, warnte aber vor immensen Kosten und Verzögerungen. Als Alternativen schlug er vor, sich dem britischen GCAP-Programm anzuschließen oder mit Schweden zu kooperieren. Seine Position steht im Widerspruch zum Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), der Gewerkschaft IG Metall und dem aktuellen Airbus-Chef Guillaume Faury, die weiterhin FCAS unterstützen.
Hinter dem Streit stehen tiefere Spannungen zwischen Airbus und Dassault über die Führung und eine ausgeglichene industrielle Arbeitsteilung im FCAS-Projekt. Trotz dieser Konflikte hat Deutschland eine "Zwei-Flugzeug-Lösung" nicht ausgeschlossen: Beide Nationen könnten separate bemannte Jets entwickeln, während sie bei Drohnen und digitalen Systemen zusammenarbeiten. Dies würde die deutsch-französisch-spanische Partnerschaft nicht vollständig aufgeben.
Deutschlands endgültige Entscheidung für FCAS oder GCAP wird die europäische Rüstungsindustrie für Jahrzehnte prägen. Ein Kompromiss könnte politische und industrielle Spannungen mildern, erfordert aber weiterhin eine Abwägung zwischen Kosten, Technologie und strategischen Bündnissen. Die Weichenstellung wird zeigen, ob die Zukunft der militärischen Luftfahrt von bemannten Kampfflugzeugen – oder von autonomen Systemen – dominiert wird.






