04 March 2026, 15:43

"Miss Germany" 2024: Warum zwei Kopftuch tragende Frauen die Debatte über Deutschsein entfachen

Drei Frauen in verschiedenen farbigen Kleidern, eine trägt eine Mütze, stehen vor dem Reichstaggebäude in Berlin, Deutschland, mit Menschen, Flaggen, Bäumen, Wolken und einem bewölkten Himmel im Hintergrund.

"Wir atmen auch durch die Nase" - "Miss Germany" mit Kopftuch - "Miss Germany" 2024: Warum zwei Kopftuch tragende Frauen die Debatte über Deutschsein entfachen

Deutschland krönt an diesem Wochenende seine neue "Miss Germany" – nach einem Wettbewerb, der sowohl Lob als auch Kontroversen ausgelöst hat. Unter den neun Finalistinnen befinden sich mit Büşra Sayed und Amina Ben Bouzid zwei Frauen, die ein Kopftuch tragen und wegen angeblich fehlender "Deutschheit" Kritik erfahren mussten. Die beiden wehren sich gegen die Anfeindungen – mit Humor und Entschlossenheit.

Der Wettbewerb, der heute weniger auf klassische Schönheitsideale als vielmehr auf Führungskompetenz und Leistung setzt, wirft zugleich ein Schlaglicht auf die anhaltenden Herausforderungen durch Rassismus und Sexismus in der Gesellschaft.

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Bei der diesjährigen Finale der "Miss Germany" treten neun Frauen an, die sich unter über 2.600 Bewerberinnen durchgesetzt haben. Darunter sind eine Biologin, eine Pressesprecherin der Bundeswehr und eine Fotografin – drei Finalistinnen mit naturwissenschaftlichem oder technischem Hintergrund. Amelie Reigl züchtet in einem Labor menschliche Haut, Aileen Tina Hufschmidt arbeitet in der militärischen Kommunikation, und Stephie Braun ist auf Fotografie spezialisiert.

Sayed, die als Unternehmerin antritt, konkurriert in der Kategorie "Female Founder" (Gründerinnen), während Ben Bouzid, die sich für von Frauen geführte Marken einsetzt, im Bereich "Female Leader" (Führungspersönlichkeiten) vertreten ist. Beide wurden mit rassistischen und sexistischen Angriffen konfrontiert – Kritiker stellen infrage, ob ihr Äußeres und ihre Religion sie zu geeigneten Repräsentantinnen deutscher Frauen mache. Die meisten dieser Angriffe stammen von Männern, was das geschlechtsspezifische Muster der Diskriminierung unterstreicht.

Trotz der Feindseligkeit bleiben die beiden standhaft. Sie sehen ihre Teilnahme als Chance, Klischees zu durchbrechen und künftigen Generationen neue Wege zu ebnen. Ben Bouzid und Sayed betonen selbstbewusst: "Wir sind deutsch", und scherzen sogar über ihre Anpassung an deutsche Kultureigenheiten – etwa das richtige Stoßlüften.

Der Wettbewerb selbst hat sich längst von seinem Image als klassischer Schönheitswettbewerb verabschiedet. Die Veranstalter legen heute Wert auf Führung, beruflichen Erfolg und gesellschaftliches Engagement. Die aktuelle Titelträgerin, Dr. Valentina Busik, ist Ärztin und nutzt künstliche Intelligenz, um das deutsche Gesundheitssystem zu verbessern – ein Beispiel für die neue Ausrichtung des Wettbewerbs.

An diesem Wochenende werden die Finalistinnen auf die Bühne treten, darunter auch Sayed und Ben Bouzid, die um den Titel wetteifern. Ihre Teilnahme hat Debatten über Identität, Repräsentation und den Wandel der deutschen Gesellschaft ausgelöst. Die Siegerinnen werden zu einer Reihe von Frauen gehören, die nicht nur für ihr Äußeres, sondern für ihre Leistungen in Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichem Dienst gewürdigt werden.