Warum "verbissen" im Fußball oft wichtiger ist als Talent und Technik
Nikolaus SchleichWarum "verbissen" im Fußball oft wichtiger ist als Talent und Technik
Fußball bedient sich oft ungewöhnlicher Begriffe, um Mannschaften und Spieler zu beschreiben. Trainer und Journalisten bezeichnen Teams regelmäßig als "verbissen", "gnadenlos" oder sogar "ekelhaft", wenn sie deren Kampfgeist loben. Doch eine jüngste 7:0-Demontage von Bayer Leverkusen hat die Diskussion neu entfacht, was auf dem Platz wirklich zum Erfolg führt.
Die siegreiche Mannschaft in jenem Spiel wurde als "scharf, kreativ, clever, schnell, dribbelstark, sicher im Kombinationsspiel und eiskalt vor dem Tor" beschrieben. Ihr Triumph gelang ohne die sonst so gepriesenen aggressiven Attribute. Stattdessen setzten sie auf Präzision und Spielwitz – nicht auf bloße Härte.
Anderswo bleibt die Sprache der Verbissenheit allgegenwärtig. Joshua Kimmich bezeichnete sich selbst als "noch verbissener, noch zäher, noch gnadenloser". Julian Nagelsmann forderte vor dem Spiel gegen Nordirland von der deutschen Nationalmannschaft "Gier und Verbissenheit". Selbst Maximilian Philipp wurde bei SC Freiburg kritisiert, weil er im Training nicht genug "Biss" zeigte.
Der Begriff "verbissen" kollidiert dabei mit einem anderen Lieblingswort: "hungrig". Wissenschaftlich betrachtet entsteht Bitterkeit durch Galle, die nach fettigem Essen produziert wird – beide Zustände lassen sich also kaum gleichzeitig empfinden. Dennoch führte Arminia Bielefeld seinen jüngsten Erfolg darauf zurück, "deutlich verbissener" als die Gegner gewesen zu sein.
Spieler und Trainer bestehen häufig darauf, dass ihre Teams "ekelhaft" sein sollten – also so unangenehm, dass Gegner keine Freude am Spiel haben. Das Wort trägt dabei eine tiefe Bedeutung, die über den Fußball hinausgeht: In Jean-Paul Sartres Roman "Der Ekel" (1938) steht es für existenzielle Beklemmung.
Der 7:0-Sieg gegen Leverkusen beweist, dass Klasse und Umsetzung Verbissenheit und Aggressivität übertrumpfen können. Doch die Fußballwelt hält an ihren bildhaften, mitunter widersprüchlichen Beschreibungen von Siegeswillen fest. Ob durch Verbissenheit, Hunger oder schiere Qualität – die Debatte, was eine Gewinnermentalität ausmacht, bleibt lebendig.






