Regionalverkehr in Deutschland kämpft um finanzielle Überlebenschancen
Sven BinnerRegionalverkehr in Deutschland kämpft um finanzielle Überlebenschancen
Regionalverkehr in Deutschland steht unter wachsendem Finanzdruck
Die regionalen Bahnverbindungen in Deutschland geraten zunehmend in wirtschaftliche Bedrängnis. Steigende Kosten, veraltete Finanzierungsmodelle und ein bevorstehendes Urteil zu Trassengebühren könnten Betreiber an den Rand des Ruins treiben. Bereits jetzt hat ein großer Anbieter wichtige Strecken stilllegen müssen.
Die Probleme begannen, als die Verantwortung für den Regionalverkehr vom Bund auf die Länder überging. Nach der Umwandlung der Bundesbahn in eine Aktiengesellschaft übernahmen die Länder die Finanzierung – doch die Mittel hinkten stets der Inflation hinterher. Gleichzeitig kämpfen die Betreiber mit höheren Trassenentgelten, Lohnkosten und Energiekosten, ohne dass es zusätzliche Unterstützung gäbe.
Jeder Zug auf Bundesschienen muss eine Infrastrukturabgabe entrichten – anders als Busse, die von Mautgebühren verschont bleiben. Landesnahe Unternehmen kaufen Fahrzeuge und vermieten sie an die Betreiber, was die Kosten weiter in die Höhe treibt. Das Deutschlandticket, das nun bis 2030 gesichert ist, soll zwar ab 2027 preislich angepasst werden, doch das löst die grundlegenden Finanzierungslücken nicht.
Eine entscheidende Weichenstellung steht bevor: Der Europäische Gerichtshof wird bis Mitte 2026 darüber entscheiden, ob die aktuelle Obergrenze für Trassengebühren im Regionalverkehr rechtmäßig ist. Fällt die Deckelung weg, könnten die Kosten explodieren – mit dem Risiko von Streckeneinstellungen oder sogar Insolvenzen. Zudem erwartet die Bundesregierung von der DB InfraGo, dass sie Infrastrukturmodernisierungen selbst finanziert, was die Trassenpreise zusätzlich belasten dürfte.
Die Belastungen sind bereits spürbar. Der private Anbieter National Express hat kürzlich den Betrieb auf der stark frequentierten Strecke Aachen–Hamm in Nordrhein-Westfalen eingestellt. Das Unternehmen machte Vertragsstreitigkeiten für die Entscheidung verantwortlich – ein Zeichen dafür, wie labil das System geworden ist.
Ohne Kurskorrektur werden die Regionalbahnbetreiber weiter mit steigenden Ausgaben und eingefrorenen Zuschüssen kämpfen. Die Gerichtsentscheidung zu den Trassengebühren könnte die Lage entspannen – oder noch verschärfen. Für Fahrgäste bedeutet das vorerst: weniger Züge und ein höheres Risiko für Fahrplanausfälle.






