02 April 2026, 14:29

Thüringer Pilotprojekt deckt digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen auf

Ein Plakat mit fetter schwarzer Schrift auf einem weißen Hintergrund, das "Rape Ain't Right: Sexual Assault is a Serious Issue" lautet, eingerahmt von einem schwarzen Rand.

Thüringer Pilotprojekt deckt digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen auf

Dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen lenkt Blick auf digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen

Ein dreijähriges Modellprojekt in Thüringen hat dringend auf das wachsende Problem digitaler sexualisierter Gewalt unter jungen Menschen aufmerksam gemacht. Yasmina Ramdani, Expertin auf diesem Gebiet, leitete Workshops an Schulen in der gesamten Region und erreichte dabei rund 5.000 Schülerinnen und Schüler. Ihre Arbeit zeigt eine alarmierende Entwicklung auf – viele Lehrkräfte und Eltern fühlen sich überfordert und wissen nicht, wie sie angemessen reagieren sollen.

Ramdanis Workshops setzten auf interaktive Methoden wie etwa Bingokarten, um mit den Jugendlichen über digitale sexualisierte Gewalt auf eine alltagsnahe Weise ins Gespräch zu kommen. Ziel war es, die Kluft zwischen virtuellen Erlebnissen und dem Verständnis für reale Konsequenzen zu überbrücken. Thematisiert wurden unter anderem Cybergrooming, bei dem Täter Chatplattformen nutzen, um gezielt Kinder zu manipulieren und Zugang zu ihnen zu erlangen – ein Kontakt, der im Offline-Leben nie möglich wäre.

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Die Nachfrage nach dem Projekt überstieg bei Weitem die vorhandenen Kapazitäten. Selbst nach Abschluss der Workshops meldeten sich weiterhin Schulen mit der Bitte um Unterstützung – ein deutliches Zeichen dafür, wie verbreitet das Problem mittlerweile ist. Fast die Hälfte aller Jugendlichen in Deutschland hat laut einer Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung bereits Formen sexualisierter Gewalt im Netz erlebt. Viele Vorfälle spielen sich in Freundeskreisen oder Klassenchats ab, oft bedingt durch Naivität und mangelnde Medienkompetenz.

Lehrkräfte berichten häufig, dass sie sich nicht ausreichend gerüstet fühlen, um in solchen Fällen einzugreifen – es fehle an Werkzeugen und Fortbildungen. Auch Eltern kommen eine Schlüsselrolle zu, betont Ramdani: Sie müssten klare Grenzen setzen und verantwortungsvolles Online-Verhalten vorleben. Gleichzeitig stehen Tech-Konzerne in der Kritik, von Systemen zu profitieren, die solche Übergriffe erst ermöglichen – und verschärfen damit die Debatte über Verantwortlichkeiten.

Das Pilotprojekt in Thüringen hat sowohl das Ausmaß digitaler sexualisierter Gewalt als auch den dringenden Bedarf an flächendeckenden Lösungen aufgezeigt. Nun sind Schulen, Eltern und Politiker gefordert, die Unterstützung über die bisherigen Workshops hinaus auszubauen. Ohne weitere Maßnahmen wird die Lücke zwischen Bedarf und verfügbaren Ressourcen voraussichtlich bestehen bleiben.

Quelle