Wie eine griechische Gastarbeiterin 1973 für gleiche Löhne kämpfte
Nikolaus SchleichWie eine griechische Gastarbeiterin 1973 für gleiche Löhne kämpfte
Irina Vavitsa kam 1971 als griechische Gastarbeiterin nach Deutschland. Sie arbeitete als ungelernte Arbeitskraft bei Hella, einem Automobilzulieferer in Lippstadt, und lebte in Baracken, die einst während der NS-Zeit für Zwangsarbeiter genutzt worden waren. Ihre Erfahrungen spiegeln die Kämpfe vieler Migrantinnen und Migranten jener Zeit wider.
Bei Hella verdiente Vavitsa weniger als ihre deutschen Kolleginnen und Kollegen sowie ihre männlichen Arbeitskollegen. 1973 schloss sie sich einem Streik an, der gleiche Bezahlung wie für deutsche Facharbeiter forderte. Der Protest dauerte drei Tage.
Der Streik endete mit einem Erfolg für die Beschäftigten: Sie erreichten eine Lohnerhöhung von 50 Pfennig pro Stunde – ein Schritt in Richtung fairer Entlohnung. Die Aktion zeigte zudem die Solidarität unter den Arbeiterinnen und Arbeitern, unabhängig von ihrer Nationalität.
Mit heute 76 Jahren ist Vavitsa weiterhin in der Gewerkschaft IG Metall aktiv. Gewerkschaften haben seitdem eine zentrale Rolle dabei gespielt, die Geschichte der Gastarbeiter zu bewahren. Langsam wächst eine Kultur des Gedenkens an ihre Kämpfe.
Der Streik von 1973 demonstrierte den Willen der Gastarbeiter, ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Er zeigte auch die Kraft kollektiven Handelns. Noch heute gibt es Bestrebungen, ihren Beitrag zur Nachkriegswirtschaft Deutschlands anzuerkennen und zu würdigen.






